Spaziergang 2: Durchs Wasser – zwischen Connolly- & Nadistraße

Das Forum 1 war als Theatron für die Dorfbewohner gedacht. Hier sollte man sich treffen können, miteinander diskutieren, Theater aufführen oder einfach nur Picknick machen. In der ursprünglichen Planung sollte es sogar beheizt oder nötigenfalls gekühlt werden. Leider ist es nie wirklich von der Dorfgemeinschaft angenommen worden. Die Fläche vor dem Forum war einst zwischen den Röhren der „Medialinie“ überdacht, was sich heute Flohmarktaussteller und –besucher manchmal sehr wünschen würden. Die häufig als im Weg stehende Rohrleitung angesehenen Medialinien zählen zu den Kunstwerken des Dorfes, Schöpfer war der Wiener Architekt Hans Hollein. Sie führen, von der U-Bahn Olympiazentrum ausgehend, in die verschiedenen Dorfstraßen. Am Forum und am Kirchenvorplatz waren einmal zwischen den dort dicht nebeneinander angeordneten Rohren Überdachungen angebracht, die den vor den Hochhäusern besonders heftigen Winden nicht standhalten konnten.

Vom Forum I fließt ein kleiner Wasserlauf in ein Marmorpodest eingesägt  – daher auch „Marmorbrunnen“ genannt – den Abhang hinunter und  vereint sich dort mit dem „Wasservorhang“ auf der grünen Wiese.. Beide  Elemente wurden auch von Hans Hollein gestaltet.

Geht man im oder neben dem Forum hinunter, so führt ein schattiger Weg am Schulhof der Nadischule vorbei. Dann öffnet sich der Blick auf die Wasserfontäne, den Kanal und den Nadisee – also unseren „Nassbereich“. Hier an der Fontäne lohnt es sich wirklich, nach links abzubiegen und dem verträumten Bächlein zu folgen, das bald schon in den Seekanal mündet. Hier könnte man sich an einen Bach weit außerhalb Münchens  versetzt fühlen. Die kleine Idylle steht im Kontrast zur strengen Basis des Fontänenbrunnens aus winklig übereinandergestapelten Betonbecken. Dies ist beispielhaft für eine der charakteristischen Grundideen bei der Dorfgestaltung: das Spannungsfeld zwischen geraden Formen des Gebauten und den frei geführten Linien des Organischen in der Landschaft. Ganz links, am Fußgängerübergang zur Connollystraße, versteckt sich ähnlich wie in der Nadistraße ein Klettergerüst – gern Weltkugel genannt – unter hohen Bäumen.

Der Nadisee, dessen Grundriss einem Nierentisch der 70er Jahre entsprungen sein könnte, ist der Sommertreff der badehungrigen Kinder. Inzwischen warnt der Haftung wegen ein unübersehbares Schild vor der Benutzung des Sees – aber über drei Jahrzehnte diente er als das große Planschbecken und ist nach wie vor eine Attraktion des Dorfes.  Es lohnt sich, um den See herum zu gehen und die verschiedenen Perspektiven auf die „gebaute Landschaft“ zu betrachten. Im angrenzenden Flachbereich gibt es wiederum einen ziemlich großen Spielplatz und einen kleinen Brunnen. Gehen Sie doch von hier aus durch eine der schmalen Gassen Richtung Nadi-Hochbereich. Sie werden eine schon fast dörfliche Idylle zwischen den relativ engen Hauszeilen entdecken. Wenn Sie später ähnlich durch den Flachbereich der Straßbergerstraße auf Entdeckung gehen, werden Sie feststellen, dass dort die Wege geradliniger verlaufen.