Stadtbaurätin Merk legt Varianten zur neuen Nutzung des Busbahnhofs vor

Am 24.9.2015 berichtete die SZ über die Beschlussvorlage des Planungsreferates.

Stadtbaurätin Elisabeth Merk empfiehlt darin dem Planungsausschuss der Landeshauptstadt, nur drei von fünf Varianten zur Neunutzung des Busbahnhofes Olympiazentrum weiter zu verfolgen:
„Grüner Auftakt“ (Erweiterung des Parkes um Grünflächen), „Visitor Center“ (Umnutzung des Bestandes = Vorschlag der EIG), und „Mobilitätsstation“ (Ladestation E-mobil, car-sharing Stellplätze, …).
Gegen die Variante „Hotel“ spricht sich Prof. Merk ebenso aus wie gegen „Studentenwohnen“ (siebengeschossig).

Die Entscheidung wurde in der Sitzung am 23.09.2015 auf einstimmigen Beschluss des Planungsausschusses
vertagt: Der „ehemalige Busbahnhof“ wird erst im November wieder auf der Tagesordnung stehen.

Wer mag, kann sich die öffentliche Sitzung vormerken:

Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung
Mittwoch, 11. Nov. 2015, 09:30 Uhr
Rathaus, Großer Sitzungssaal, Empore, Zugang III. Stock

Die Beschlussvorlage der Stadtbaurätin kann mit allen Anlagen gegenwärtig eingesehen werden im Ratsinformationssystem RIS

www.ris-muenchen.de

Aus der SZ vom 24. 09. 2015, S. R11

Offener Brief der EIG an den Stadtrat zum Busbahnhof

An:
Oberbürgermeister Hr. Dieter Reiter
Zweiter Bürgermeister Hr. Josef Schmid
Dritte Bürgermeisterin Fr. Christine Strobl
Vors. der Stadtratsfraktionen
Vors. der BA-Fraktionen (über Geschäftsstelle BA11)

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Reiter,
Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Strobl, Herr Bürgermeister Schmid,

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 12. Januar 2015 hat eine Einwohnerversammlung zum Gedenk- und Erinnerungsort „Olympia-Attentat 1972“ im Olympischen Dorf stattgefunden. Diese hat mit fast 500 Teilnehmern den Veranstaltungsraum gesprengt. Mit übergroßer Mehrheit (weniger als 10 Gegenstimmen) hat sich die Einwohnerversammlung gegen jede weitere Bebauung des Olympiaparks ausgesprochen, nachdem die schleichende Zerstörung des „Englischen Gartens des Nordens“ eindrucksvoll geschildert wurde (siehe Anlage). Dieser Beschluss ist auch ein sehr deutliches Zeichen gegen die Pläne, am ehemaligen Busbahnhof ein Hotel zu errichten.

Gegen diese Pläne sprechen vor allem drei Gründe:
1) Einmal mehr würde damit in eines der bedeutendsten Bau- und Landschaftsdenkmäler eingegriffen werden, das prägend für das Image der Landeshauptstadt ist. Mit den bisher vorgeschlagenen Dimensionen des Hotels wäre der Nordteil des Parks weitgehend zerstört.
2) Die Hotelpläne sehen nach unseren Informationen auch Einkaufsmöglichkeiten vor. Dies würde die Bemühungen torpedieren, das Nahversorgungszentrum in der Ladenstraße des Olympiadorfs zu erhalten. Ein weiteres Stadtteilzentrum droht zu veröden.
3) Der denkmalgeschützte Busbahnhof bietet – und das ist einstimmige Beschlusslage der Einwohnerversammlung – die ideale Möglichkeit, den Informationsteil des Gedenk- und Informationsortes der Staatsregierung unterzubringen. Die Hotelpläne würden diese Chance auf einen sinnvollen Kompromiss für immer verbauen. Daneben gibt es weitere Möglichkeiten den Busbahnhof als Besucherzentrum am Entrée eines der wichtigsten Tourismusziele in München zu nutzen.

Vor kurzem haben wir die Information erhalten, dass der Busbahnhofs angeblich kurz vor dem Verkauf stünde. Die Vorbereitungen des Verkaufs wären dann also geschehen, kurz bevor der „Runde Tisch Busbahnhof“ Ende Januar 2015 nach etwa 2 Jahren Stillstand das erste Mal tagt. Minister Dr. Spaenle´s Projekt droht an der zwar angekündigten, aber nie ausreichend erfolgten Bürgerbeteiligung zu scheitern. Sich auf nun 7 Jahre alte Beschlüsse des Bezirksausschusses zur Durchführung eines Wettbewerbs einer privaten Firma zu berufen, stellt im Jahr 2015 keine angemessene Bürgerbeteiligung mehr dar. Falls sich bei dem Hotelprojekt abzeichnen sollte, dass expliziter Bürgerwille, dokumentiert in Beschlüssen einer Einwohnerversammlung, ignoriert wird und hinter verschlossenen Türen Fakten geschaffen werden, ist der Widerstand im Olympiadorf gewiss.

Deshalb fordern wir Sie auf:
1) Informieren Sie die Einwohner des Olympiadorfs über den aktuellen Stand der Planungen zum Hotel, einschließlich eines möglichen Verkaufs des Busbahnhofs!
2) Beziehen Sie Stellung zu den Hotel-Plänen und der weiteren Entwicklung des Busbahnhofs!
3) Legen Sie dar, wie Sie sich eine Bürgerbeteiligung bei diesem Projekt vorstellen, das das Olympiadorf wesentlich mehr als die Gedenkstätte nach dem aktuellen Entwurf von Brückner & Brückner beeinträchtigen wird!

Diese Informationen sind nötig für die weitere Diskussion am „Runden Tisch Busbahnhof“ am 28.1.2015.

Mit freundlichen Grüßen,

Vorstand der EIG
Manuela Feese-Zolotnitski, Dr. Till von Feilitzsch, Wolfgang Hülle

Pressemitteilung der EIG zum Busbahnhof

Am Montag, 12.1.2015 fand eine Einwohnerversammlung im Olympischen Dorf zur geplanten Gedenk- und Erinnerungsstätte Olympiaattentat 1972 statt. Diese hatte der Bezirksausschuss 11 auf Antrag der SPD beschlossen. Der Versammlungsraum (ev. Olympiakirche) hat etwas über 300 Sitzplätze. Diese waren restlos belegt, sehr viele Teilnehmer mussten stehen (vor der Orgel, am Altar), einige konnten den Saal nicht mehr betreten. Die EIG Einwohner-Interessen-Gemeinschaft Olympisches Dorf e.V. geht deshalb von an die 500 Teilnehmern aus.

Die Einwohner waren einstimmig – ohne eine einzige Gegenstimme – dafür, den Informationsteil zu den Olympischen Spielen einschl. dem Attentat und den Opfern vom eigentlichen Gedenkort abzutrennen, damit dieser ohne unnötige Kompromisse ausreichend ausführlich gestaltet werden kann (Antrag Dr. Till von Feilitzsch). Information über das Geschehene und die Opfer sind der nachvollziehbare Wunsch der Angehörigen, der von uns absolut mitgetragen wird, entgegen den Berichten in der Presse. Gut realisiert werden könnte dieser Ort in einem Besucherzentrum am Eingang des Parks am ehemaligen Busbahnhof.
Das eigentliche Gedenken findet bisher schon vor allem an der Gedenktafel in der Connollystraße 31, teilweise auch am „Klagebalken“ von Prof. Koenig, statt. Hier ist aus Sicht der Anwohner kein dritter Gedenkort nötig.

Auf großes Missfallen traf die von Minister Dr. Spaenle zunächst geplante Form der Bürgerbeteiligung: Vorfestlegung auf einen eben abgelehnten Standort, eingeschränkte Beteiligungsmöglichkeiten (20 Personen) mit völlig unklaren Auswahlkriterien, sehr kurzfristiger Termin, noch dazu zu einem Zeitpunkt, an dem normale Arbeitnehmer große Schwierigkeiten haben.

Sehr eindrucksvoll hat Dr. Tatjana Eckerlein die schleichende Zerstörung des Olympiaparks (Anlage) präsentiert. Mit übergroßer Mehrheit (weniger als 10 Gegenstimmen) haben sich die Einwohner gegen eine weitere Bebauung des Olympiaparks ausgesprochen. Dies betrifft auch das von der ECE geplante Hotel in der Nähe des Busbahnhofs. Obwohl für den 28. Januar 2015 ein „Runder Tisch“ zur Zukunft des Busbahnhofs (beantragt durch den Bezirksausschuss 11 vor 2 Jahren) stattfindet, scheinen die Stadtwerke München derzeit aktiv den Verkauf des Geländes vorzubereiten. Falls sich dieses Gerücht bestätigt, wäre die ein Affront gegenüber dem Bezirksausschuss und den Anwohnern, da damit parallel zu den Vorbereitungen des Runden Tischs Fakten hinter geschlossenen Türen geschaffen werden würden.

Die EIG Einwohner-Interessen-Gemeinschaft Olympisches Dorf e.V. fordert deshalb mit unten stehendem offenen Brief die Verantwortlichen in der Landeshauptstatt auf, Position zu beziehen.

Ausführliche Dokumentationen zum Thema, einschließlich Planungen zu einem Besucherzentrum am Busbahnhof finden Sie unter www.eig-olympiadorf.de

Der Vorstand